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Mick Knauff und Jürgen Schmitt
Die Mär vom reichen Deutschen

Von Mick Knauff (Börsen-TV) und Jürgen Schmitt (Börsen-Spiegel) zur Eröffnung des DC Chapter Stuttgart (Chapter Director: Stephanie Stoerk).

Wären Zinsraten von 5 Prozent oder mehr auf Spareinlagen zu bekommen, würde sich die Frage nach Aktien auf breiter Front gar nicht stellen. Doch die Nullzinspolitik der EZB sollte den Menschen „Lust auf Aktien“ (so der Vortragstitel) machen. Aber die Deutschen nehmen die schleichende Entwertung ihrer Spareinlagen klaglos hin, obgleich eigentlich Massendemonstrationen dagegen an der Tagesordnung sein sollten.

Dax 30 überwiegend in ausländischer Hand

Wenn Deutschland dennoch wirtschaftlich recht gut dasteht, dann vor allem auch, weil ausländische Investoren hierzulande kräftig einsteigen. Die Gelder fließen aus China, Russland und den USA sowie aus den arabischen Ländern. Rund 60 Prozent der Anteile an den Dax 30 liegen mittlerweile in ausländischen Händen.

Mär vom reichen Deutschen

Die Mär vom reichen Deutschen ist nicht mehr länger aufrecht zu erhalten. Gemessen am Nettovermögen der Bevölkerung pro Einwohner liegt Deutschland nicht etwa an der Spitze in Europa, sondern weit abgeschlagen hinter Ländern wie Spanien oder Griechenland und knapp hinter der Slowakei. An erster Stelle liegt übrigens Luxemburg.

Dividenden sind die neuen Zinsen

Fazit: Wir haben eine weiterhin gut florierende Wirtschaft in Deutschland, aber die Deutschen haben nichts davon, weil sie sich nicht trauen, mit Aktien an diesem Wachstum zu partizipieren. Als Abhilfe empfehlen Mick Knauff und Jürgen Schmitt: Jetzt in dividendenstarke Aktien investieren! Denn Dividenden sind die neuen Zinsen. Mit einer seriösen Anlagestrategie lassen sich am Aktienmarkt Renditen von 5 bis 7 Prozent erzielen.

Langfristtrend aufwärts

Langfristig geht es an der Börse immer nach oben, weil sie bestimmt wird von Unternehmen, die eine Gewinnerzielungsabsicht haben. Deshalb haben Firmenlenker immer viel stärker als Staatsmänner  und -frauen die Gewinnentwicklung im Visier - genau von diesen Gewinnen profitieren Aktienbesitzer.

Wir erinnert uns: Die Finanzkrise war letztes Jahr genau zehn Jahre her. Der Dax lag damals bei 3.000 bis 4.000 Punkten. Heute bewegt er sich in der Größenordnung von 11.000 Punkte. Wer also in der Krise 2008 keine Panik bekommen und seine Aktien gehalten oder sogar noch dazu gekauft hat, gehört heute zu den Gewinnern. Warren Buffet ist das beste Beispiel für genau diese Strategie. Die meisten deutschen Anleger folgen allerdings einer anderen - falschen - Logik: Sie kaufen, wenn die Stimmung an der Börse gut und die Kurse hoch sind, und stoßen ihre Aktien in Panik ab, wenn die Kurse nach unten rauschen. Genau das ist natürlich eine Verliererstrategie per se - unvernünftiger kann man kaum handeln. Die daraus resultierenden Verluste verstärken das in Deutschland ohnehin vorherrschende Misstrauen gegenüber den Aktienmärkten. Die Folgen sind fatal: Die deutsche Bevölkerung profitiert viel zu wenig von den satten Gewinnen der Wirtschaft und leidet unter der Nullzinspolitik der EZB.

Die Realität ist: Die Banken, die 2008 Auslöser der Finanzkrise waren, erwirtschaften heute Gewinne in einem Ausmaß, wie man sich es niemals hätte vorstellen können. Die derzeit diskutierte Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird vermutlich am Druck der Politik und der Gewerkschaften scheitern. Dann stehen die US-Banken indes schon parat als Aufkäufer. Die Deutsche Bank etwa ist nur noch 19 Mrd Euro wert; das ist nichts für die US-Banken, die die Deutsche Bank aus dem Gewinn eines einzigen Quartals übernehmen könnten.

Dax hinkt hinterher

In den internationalen Indizes wie beim Dow Jones sind die Kurskorrekturen längst vorbei. Die Nasdaq führt die Innovationen, die unsere Welt verändern und unser aller Zukunft bestimmen. Auch beim asiatischen Hang Seng Index ist die Trendwende geglücktDer Dax hinkt hinterher, weil es hier einige „Patienten“ gibt, vor allem die Energieversorger, die unter der wankelmütigen Politik leiden, und Bayer mit der Glyphosat-Übernahme und den daraus resultierenden Klagen.

Vodka statt Gold

Gold ist ausschließlich zur Vermögenserhaltung geeignet, nicht zum Aufbau. Allerdings stellt beispielsweise Vodka eine Alternative zum Gold dar: Die Flüssigkeit hält ewig und im Falle einer Krise ist man möglicherweise mit einer Batterie an Vodkaflaschen im wahrsten Sinne des Wortes flüssiger als mit einem Goldnugget, der sich nur schwerlich kleinraspeln lässt, um Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Dividenden-Stars

Für den sicheren und langfristigen Vermögensaufbau sind derzeit vor allem dividenden-starke Aktien wie die Allianz oder die Munich Re (Münchener Rück) zu empfehlen Sie kommen bei einem relativ stabilen Geschäft auf Verzinsungen von 12 bis 13 Prozent, wenn man Ausschüttungen und Kursentwicklung zusammen nimmt. Katastrophen-Jahre, in denen als besonders viele oder schlimme Naturkatastrophen passieren, sind für beide - Allianz und Munich Re - gute Jahre. Zwar müssen die Versicherer hohe Schadenssummen zahlen, aber zugleich wächst das Geschäft mit Neuversicherungen im Angesicht solcher Katastrophen überproportional.

Empfehlungen

Auf der Empfehlungsliste von Mick Knauff und Jürgen Schmitt stehen auch (niedriger Einstiegskurs, gute Aussichten) BASF (Einbruch im letzten Jahr wegen Niedrigwasser im Rhein, so dass viele Transportschiffe nicht fahren konnten, aber Chemie wird immer gebraucht), Fielmann (steht vor der Internationalisierung), United Internet (durch die 5G-Situation derzeit niedrig, aber Vorzeigeunternehmer Ralph Dommermuth hat stets auch in schwierigen Märkten Wege zum Erfolg gefunden), LVMH (Luxus geht immer, die Zahl der reichen Menschen wächst weltweit), Nestlé (einer der größten Wasserproduzenten der Welt), Procter & Gamble (Konsumgüter werden immer gebraucht, von der Pampers über Head & Shoulders bis zum Toilettenpapier), Alphabet/Google (Neueintritt in den Gaming-Markt, Schlüsselsoftware für autonomes Fahren), Facebook (kein Unternehmen hat mehr Kunden), Amazon (Wachstumskrake: Streaming / Prime Video, weltweit größter Cloudanbieter, Zukunftsmarkt Alexa), Netflix (löst Fernsehen ab vor allem mit Eigenproduktionen), Apple (kassiert heute über 90 Prozent aller Gewinne im Smartphonemarkt, dringt erfolgreich in den Servicemarkt vor und hat Technologie zum Lifestyle gemacht.

Was ist zu tun?

Um die Aktienkultur in Deutschland zu heben, gibt es einen ganz einfachen Weg: Kaufen Sie Ihrem Kind ein paar McDonalds-Aktien und es bekommt eine ganze andere Beziehung zu seiner Junior-Tüte-:)