Eine Nachricht von Jean Pütz, langjähriges Mitglied im Diplomatic Council.
Liebe Freunde!
Der Herrgott, die Luxemburger Mutter Gottes und mein optimistischer Geist haben entschieden, dass ich immerhin 90 Jahre alt werden konnte. Und das Leben macht auch heute noch immer Spaß, sodass ich hoffe, noch ein bisschen älter zu werden. Ich habe mir auf dem berühmten Melatenfriedhof von Köln bereits ein Grab reservieren lassen, eine Gruft, in die über uns noch 18 Zeitgenossen hineinpassen, für meine Familie, und gute Freunde sind mir stets willkommen. Allerdings erst dann, wenn sie in die Ewigen Jagdgründe gewandert sind. Die strikte Einhaltung der Menschenrechte war stets mein oberstes Gebot.
Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint, allerdings erst nach meinem 10. Geburtstag. Vorher musste ich mit meinen Eltern die Nazis und schreckliche Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg ertragen. Ich weiß, was es bedeutet, wenn man bombardiert und beschossen wird. Mein Vater und meine Mutter verloren durch Kriegseinwirkung alles.
Danach ging es bergauf, wobei mein Glaube an Gott immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Später holte mich der WDR aus meiner Tätigkeit als Oberstudienrat an einer Berufsschule heraus, ich sollte die Redaktion Naturwissenschaft und Technik aufbauen. Das war das Glück meines Lebens, so konnte ich mein didaktisches Wissen mit Überzeugung weiterführen.
Beruflich habe ich zunächst ein Handwerk gelernt, und zwar Elektromechaniker, was heute unter den Begriff Mechatroniker läuft. Tatsächlich hat das Handwerk goldenen Boden, eine Weisheit, die mir meine Mutter immer wieder einflößte.
Der Ingenieur und das Studium der Wirtschaftspädagogik haben mich geformt, und als der WDR auf mich aufmerksam wurde, war ich bereits gefestigt. Ich habe dem öffentlich-rechtlichen WDR zu danken, denn er begriff sehr bald, dass ich ein wertebezogener Journalist war, und hat mir nie Vorschriften gemacht, die gegen meine innere Überzeugung gingen. Ich konnte sämtliche Themen immer selbst bestimmen.
Und die waren oft um Jahre der Realität voraus, so zum Beispiel der Übergang von der Elektronenröhre zum Transistor mit einer großen Senderreihe. Das Begleitbuch unter dem Titel „Einführung in die Elektronik“ wurde zum Serien-Bestseller und die 13-teilige Sendereihe „Digitaltechnik: eine Einführung“, übrigens mit Wochenendseminaren, wurde zum Einstieg in das digitale Zeitalter. Themen wie „Intelligenz in Miniatur“ (1977) oder „Fernsehen aus dem Weltraum“ (1980) wiesen auf kommende Technologieentwicklung hin, die erst Jahre später zur Realität wurden.
Mit 65 hat die WDR-Bürokratie mich in den angeblichen Ruhestand geschickt, allerdings, so ganz hat er nicht auf mich verzichtet. Immerhin konnte ich noch weitere drei Jahre als freier Wissenschaftsjournalist meine Überzeugungen kundtun und nach einem opulenten Abschiedsfest mit 600 Gästen hat das ZDF mich noch mal zwei Jahre lang engagiert, sodass ich meine Tipps an die Politik auch auf dieser Plattform verbreiten konnte. Der Politik war sowieso etwas ganz Spezielles.
Mir war klar, und die PISA-Studie hat’s bewiesen, dass die mangelhafte Schwarmintelligenz der Deutschen in Sachen Naturwissenschaft für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland nicht besonders zielführend war. Immerhin wurde die Technologie in der Vergangenheit zum entscheidenden Wohlstandsspender, angeführt durch geniale Erfinder wie Nikolaus August Otto, der den Benzinmotor erfand, und Rudolf Diesel, oder auch durch Siemens mit seinen genialen Erfindungen im Bereich der Elektrizität aus Deutschland heraus. Damit erlangten deutsche Technologien Weltgeltung.
Aber diese Zeiten sind vorbei. Angebliche Klimaretter versuchen mit Ignoranz ein Wunschdenken zu implementieren, das in der letzten Konsequenz eine Art Deindustrialisierung bewirkt hat. Ich habe allerdings niemals nur berichtet, sondern ich habe gleichzeitig auch Vorschläge gemacht, wie möglicherweise einiges aufgehalten werden kann. Ich habe schon vor 20 Jahren nachweislich vor der angeblichen modernen Elektrifizierung der Mobilität gewarnt. Das Elektroauto habe ich als „überflüssig wie ein Kopf“ bezeichnet, und den Niedergang der deutschen Automobilindustrie vorausgesagt. Aber letztlich hat sich der Südafrikaner und Amerikaner Elon Musk durchgesetzt. Er hat zusätzlich die Chinesen überzeugt, die ebenfalls wie in Kalifornien in den Städten unter unerträglichem Smog leiden. In dieser Umgebung war das Elektroauto geradezu ideal. Allerdings, etwa salopp gesagt, waren viele Deutsche emotional dafür, weil sie auch glaubten, dass ein Auto ohne Auspuff unbedingt umweltfreundlich sein muss. Die Amerikaner wollten immer die deutsche Automobilindustrie in den Schatten stellen, jetzt ist es gelungen.
Da ich nicht nur kritisiere, sondern auch Vorschläge mache, habe ich eine Alternative entwickelt, die ich in meinem Buch „Wohlstand und Wirtschaftswachstum ohne Reue“ veröffentlicht habe. Jetzt zu meinem 90. Geburtstag erscheint wieder gemeinsam mit meinem Co-Autor Andreas Dripke ein zweites unter dem Titel „Wie wir von fossilen Energien unabhängig werden“, in dem ich zum Beispiel den großen Irrtum ausräume, dass Wasserstoffgas eine sinnvolle Lösung für unsere Energieversorgung darstellt. Die dafür notwendigen Investitionen in die Infrastruktur kann sich kein Staat leisten.
Infolgedessen plädiere ich für eine Produktion von Methanol in den sonnenreichen Wüsten der Dritte-Welt-Länder. Die notwendigen Photovoltaikflächen sollten wir Industrieländer als Ersatz für die schlimmen Verbrechen während der Kolonialzeit kostenlos liefern. Es gibt nämlich eine Methode, mit der preiswertes Methanol den Traum von der regenerativen Energie wahr macht. Und zwar für alle Zeiten und weltweit. Die derzeitigen Methoden schaffen keine Verbesserung, wie man an der Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre ablesen kann.
Der „Hobbythek“ möchte ich ein eigenes Kapitel widmen. Nicht umsonst werde ich immer noch von vielen Menschen auf diese Reihe angesprochen. Ja, man identifiziert mich damit, und mein Spruch „Ich habe da mal was vorbereitet“ ist wohl in die Fernsehgeschichte eingegangen. Von Anfang an lief sie in fast allen dritten Programmen der ARD. Sie war so beliebt, dass ich immer wieder darauf angesprochen wurde und werde. Aber ich war kein Entertainer, sondern immer ein sehr engagierter Wissenschaftsjournalist.
Ich habe die „Hobbythek“ nämlich nur deswegen entwickelt, weil die Schwarmintelligenz der Deutschen in Sachen Naturwissenschaft schon damals sehr dürftig war, und ich damit eine Art „Trojanisches Steckenpferd“ schaffen wollte, um die Bedeutung von Wissenschaft und Technik in der Gesellschaft bekannter zu machen. Die vielen Experimente, die oft auch Alltagsprobleme für jedermann lösen konnten, brachten auch Technik-Muffel, die in der Schule sogar Physik und Mathematik abgelehnt haben, zu persönlichen Aktivitäten.
Im Übrigen störte ich mich bereits an der Bezeichnung der WDR-Abteilung, die sich „Kultur und Wissenschaft“ nannte. Wer das logisch analysiert, kommt zu dem Schluss, dass Wissenschaft offenbar nicht zur Kultur gezählt wird. Auch nach meinem 90. Geburtstag werde ich weitermachen. Mit meinem Mitarbeiter Horst Minge habe ich eine sogenannte „Pütz-Munter-Show“ entwickelt. Demnächst feiern wir damit das 100. Jubiläum. Sie ist besonders beliebt unter Jugendlichen und Kindern, aber auch die Erwachsenen sorgen dafür, dass fast immer volles Haus ist. Der nächste Termin ist voraussichtlich im Dezember. Auch hier geht’s mit vielen Experimenten darum, den Menschen physikalische und chemische Gesetze und Grundlagen zu erklären. Am Schluss stehen oft Standing Ovations, was einem alten weißen Mann durchaus guttut.
Machen wir uns klar: Die gesamte Volkswirtschaft Deutschlands baut auf den Erkenntnissen der Naturwissenschaft auf. Früher war Deutschland darin führend und der Erfolg unserer Industrie und unser gehobener Wohlstand sind darauf zurückzuführen. Deutschland ist rohstoffarm; wovon sollen wir in Zukunft leben, wenn nicht von der naturwissenschaftlichen Kreativität unserer Bürger.
Euer
Jean Pütz
