Der Diplomatic Council gratuliert den Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern des Jahres 2026 von Herzen. Ihre Arbeit zeigt, was Neugier, Ausdauer und Mut bewirken können – im Labor, am Schreibtisch und im Gerichtssaal. Sie alle haben auf ihre Weise dazu beigetragen, unsere Welt besser zu verstehen und gerechter zu gestalten.
Die Preisträgerinnen und Preisträger 2026
Physiologie oder Medizin
- Karl Deisseroth (Howard Hughes Medical Institute und Stanford University, USA)
- Peter Hegemann (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland)
- Georg Nagel (Universität Würzburg, Deutschland)
Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik. Vereinfacht gesagt: Mit Licht lassen sich einzelne Nervenzellen im lebenden Gehirn gezielt ein- und ausschalten. So können Forschende weltweit nachvollziehen, wie Erinnerungen, Gefühle und Verhalten entstehen – eine wichtige Grundlage für das Verständnis von Erkrankungen des Gehirns.
Physik
- Francis Halzen (University of Wisconsin–Madison, USA; geboren in Belgien)
Francis Halzen erhält den Preis für seine entscheidenden Beiträge zum IceCube-Neutrino-Observatorium und die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos aus dem All. Er hatte die Idee, das Eis am Südpol als riesigen Detektor zu nutzen: Ein Kubikkilometer Eis, ausgestattet mit Lichtsensoren, fängt diese flüchtigen Teilchen ein. Sie verraten uns etwas über extrem energiereiche Vorgänge in den Tiefen des Universums.
Chemie
- Henri B. Kagan (Université Paris-Sud, Frankreich)
- Kenso Soai (Tokyo University of Science, Japan)
Gewürdigt wird die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese. Viele Moleküle, etwa Aminosäuren, gibt es in zwei spiegelbildlichen Varianten – lebende Organismen nutzen aber nur eine davon. Kagan und Soai haben gezeigt, wie chemische Reaktionen eine Spiegelform bevorzugen und sich selbst verstärken können, und damit ein altes Rätsel der Chemie aufgeklärt.
Literatur
- Anne Carson (Kanada)
Die kanadische Autorin wird für ihr „kühnes und erfindungsreiches Werk“ geehrt, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Antike neue Formen für die Gegenwartsliteratur geschaffen hat. Anne Carson verbindet Lyrik, Übersetzung und Lehre; den Ausgangspunkt ihres Schreibens bildet oft die Herkunft einzelner Wörter. So entstehen Texte, die alte Stoffe überraschend neu zum Klingen bringen.
Frieden
- Navanethem „Navi“ Pillay (Südafrika)
Navi Pillay erhält den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Die südafrikanische Juristin hat in historischen internationalen Gerichtsverfahren gezeigt, dass das Recht helfen kann, Krieg und Gewalt vorzubeugen, und sie hat die Institutionen des Völkerrechts gestärkt. Das Norwegische Nobelkomitee würdigt ihre Unabhängigkeit, ihre Sachkenntnis und ihre Standhaftigkeit – eine Botschaft, die gerade für die Arbeit der Vereinten Nationen von großer Bedeutung ist.
Wirtschaftswissenschaften (Preis der Schwedischen Reichsbank zum Gedenken an Alfred Nobel)
- Robert E. Hall (Stanford University, USA)
- Michael Woodford (Columbia University, USA)
Ausgezeichnet werden die mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung. Einfach gesagt: Hall und Woodford haben erklärt, wann und wie der Staat und die Notenbanken die Wirtschaft ankurbeln oder bremsen sollten, um lange Rezessionen oder eine galoppierende Inflation zu vermeiden. Die daraus hervorgegangenen neukeynesianischen Modelle nutzen heute Zentralbanken und Finanzministerien in aller Welt.
Unabhängigkeit als Fundament der Glaubwürdigkeit
Dass die Nobelpreise seit mehr als einem Jahrhundert weltweit hohes Ansehen genießen, hat einen klaren Grund: Die preisverleihenden Institutionen – die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die Nobelversammlung am Karolinska Institutet, die Schwedische Akademie und, für den Friedensnobelpreis, das Norwegische Nobelkomitee – treffen ihre Entscheidungen unabhängig.
Frei von politischer oder wirtschaftlicher Einflussnahme zählen allein die Leistung und ihr Nutzen für die Menschheit. Genau diese Unabhängigkeit verleiht den Preisen ihre Glaubwürdigkeit. Für den Diplomatic Council, der sich dem Dialog und der Verständigung zwischen den Nationen verpflichtet fühlt, ist sie ein Vorbild: Vertrauen entsteht dort, wo Urteile sachlich, transparent und unbeeinflusst getroffen werden.
Wir wünschen allen Preisträgerinnen und Preisträgern weiterhin viel Erfolg und Inspiration für ihre Arbeit.
